Joseph Beuys

"Mit dummen Fragen fängt jede Revolution an."
 
17. März - 18. Juni 2021

Erstmals zeigt eine europäische Galerie rund 300 Werke des Jahrhundertkünstlers Joseph Beuys (* 12. Mai 1921 in Krefeld; † 23. Januar 1986 in Düsseldorf). Anlässlich dessen 100. Geburtstags lädt die Galerie Konzett zeitgleich und ergänzend mit der Beuys-Ausstellung im Belvedere 21 bis zum 18. Juni zur Ausstellung „Mit dummen Fragen fängt jede Revolution an.“

Dabei ist der Ausgangspunkt das Zitat des Künstlers, „Jeder Mensch ist ein Künstler“, worauf Martin Kippenberger später erwiderte: „Jeder Künstler ist ein Mensch“. Im Spannungsverhältnis beider Aussagen geht die Ausstellung der Frage nach, inwieweit Kunst und Kommerz auch in Zeiten einer Pandemie immer noch verknüpft sind.

Derzeit erleben wir die Welt in einem fragilen Zustand. Die Corona-Pandemie hat wirtschaftliche und gesellschaftliche Modelle auf den Prüfstand gestellt. Bereits als Antwort auf die heute virulenten Probleme unserer Zeit entwickelte Beuys in seiner Kunst Modelle, die Antworten auf eine heutige Kapitalismus-Debatte und „Modelle für direkte Demokratie“ liefern, ebenso auch zu bedeutsamen ökologischen Themen wie zur sogenannten Klimakatastrophe mit seinem Werkblock „Difesa della Natura“. Dabei entstanden viele seiner bedeutenden Arbeiten mit dem Credo: „Mit dummen Fragen fängt jede Revolution an.“

Der Künstler und politische Aktivist Beuys gilt heute zurecht als Pionier und Vordenker für politische Ansätze, die seine Kunst heute dem Betrachter aktueller denn je erscheinen lassen. Denn in seinem Werk finden sich die Antworten auf Herausforderungen unserer Zeit. Insofern liefert die Ausstellung „Mit dummen Fragen fängt jede Revolution an“, eine Ergänzung zur Belvedere-Ausstellung, schließt sie vor allem doch die Lücken zu den Themenbereichen: Schamanismus, Pionier der Medienkunst, sein Verhältnis zu den Lehren Rudolf Steiners und des Künstlers Frauenbild.

Eine 30jährige Sammler-Liaison und kunstgeschichtliche Auseinandersetzung mit dem Düsseldorfer Fluxus-Künstler ermöglicht dieses einzigartige Projekt. Dabei stellt der Großsammler Philipp Konzett in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungskurator des Europäischen Kunstvereins, Sebastian C. Strenger, mit rund 25 bedeutenden Zeichnungen und Collagen des Ausnahmekünstlers Beuys, dessen zeichnerisches Oeuvre in einer Auswahl aus allen Schaffensphasen erstmals der Weltöffentlichkeit vor. Diese liefern einen Einblick von seinem Frühwerk mit einem Staubbild von 1948, „Nelly (Leberwurstbein)“ von 1958, „Filzplastiken“ (1962) bis zum Multiple „Demokratie ist lustig“ (1973), der Darstellung „Maschinenversuch“(1979) und „Fettschwanz“ (1982) wie weiteren Arbeiten bis zum Todesjahr des Künstlers, 1986.

 

Die von Gernot Schauer für die Ausstellung gestalteten Präsentationsräume beleuchten dabei erstmals auch die Bedeutung des Medienkünstlers Beuys, dessen Einblick der Betrachter durch die rund 30 Arbeiten Kopierkunst, die der Künstler mit Hilfe der ersten Xerox-Kopierer entstehen ließ, bekommt. Neben dem wichtigen Werkblock von rund 60 Wirtschaftswerten präsentieren die Ausstellungsmacher auch etwa 120 Beuys-Multiples, sowie 150 signierte Postkarten, die dem demokratischen Verständnis der Kunst Joseph Beuys' entsprach, dass Kunst für jedermann erschwinglich sein soll. 35 Jahre nach seinem Tod würdigt die Weltöffentlichkeit durch mehr als 50 internationale Ausstellungen Beuys in diesem Jahr als Jahrhundertkünstler.   

Zuletzt wurde diese Ausstellung vor allem möglich durch Ankäufe über die Dauer von 30 Jahren aus den bedeutendsten Privatsammlungen und versehen mit erstklassigen Provenienzen wie u.a. der des früheren Privatsekretärs und späteren Galeristen Heiner Bastian, den Sammlungen Reinhard Schlegel  und Josef Wendker, den Galeristen Bernd Klüser, Armin Hundertmark, Heinz Holtmann, Siegfried Sander, Alfred Schmela und vielen mehr.

Rund 50 weitere Beuys-Werke der Sammlung Philipp Konzett befinden sich derzeit international in Beuys-Ausstellungen wie „Denken. Handeln. Vermitteln.“ im Belvedere 21 (04.03. – 13.06.), der Bundeskunsthalle mit „Beuys - Lehmbruck. Denken ist Plastik“ (25.06. – 01.11.) in Bonn dem Dom Museum Wien und dem Kunsthaus Bregenz.

 

Joseph Beuys, Giesskanne, 1985, Tinte auf Gummi und Kunststoff mit Metallösen, 39,5 x 35 cm

Der Sammler Philipp Konzett zu seinem Ausstellungsprojekt: „Um es mit den Worten Beuys zu sagen, „Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden, sonst kriegen wir eine, die wir nicht wollen.“ Sein radikal einfacher Ansatz wäre eine Lehrstunde für jeden Politiker. Die Beschäftigung mit der Kunst von Joseph Beuys ist eine Grenzerfahrung, aber für jeden Interessierten sicherlich auch eine Bewusstseinserweiternde!“          

Co-Kurator Sebastian C. Strenger vom Europäischen Kunstverein: „Beuys ist aktueller denn je. Hier finden wir Antworten, die die Politik nicht auszusprechen wagt. Der Künstler Beuys hat die Gentrifizierung mit all seinen Problemen und Chancen in seinem Werk bereits sichtbar vorweggenommen. Und das zu einem Zeitpunkt, als sie noch auf keiner geopolitischen Karte waren.“

 

 
Kuratoren: Sebastian C. Strenger und Philipp Konzett
Ausstellungsgestaltung: Gernot Schauer

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